Hitze hält Gefahrstoffeinheit nicht vom Training ab
Artikel vom 27. Juni 2026
Gemeinsam für den Ernstfall trainiert – Spezialwissen für besondere Einsatzlagen
Die Aufgaben der Feuerwehren haben sich in den vergangenen Jahren stetig erweitert. Längst beschränkt sich der Einsatzdienst nicht mehr auf die klassische Brandbekämpfung. Technische Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen, Menschenrettungen, Unwettereinsätze, Ölwehr sowie immer komplexere Gefahrstofflagen gehören heute ebenso zum Einsatzspektrum. Gerade Einsätze mit gefährlichen Stoffen zählen dabei zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Feuerwehr und erfordern eine intensive Aus- und Fortbildung.
Um diesen besonderen Anforderungen gerecht zu werden, unterhalten der Landkreis Spree-Neiße und die Stadt Cottbus gemeinsam eine Gefahrstoffeinheit. Durch die enge Zusammenarbeit können Spezialtechnik, Einsatzmittel und Fachwissen gebündelt sowie die Ausbildung gemeinsam durchgeführt werden.
Am Samstag, dem 27. Juni, trafen sich Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren aus dem Landkreis Spree-Neiße sowie der Stadt Cottbus zur gemeinsamen Ganztagsausbildung auf der Wache 1 der Berufsfeuerwehr Cottbus.
Aufgrund der außergewöhnlich hohen Temperaturen von nahezu 40 Grad Celsius wurde das Ausbildungskonzept kurzfristig angepasst. Der Ausbildungstag wurde auf einen halben Tag verkürzt und die praktischen Ausbildungsinhalte überwiegend in den Hallen der Berufsfeuerwehr durchgeführt. So konnten die Teilnehmer trotz der extremen Wetterbedingungen sicher und effektiv ausgebildet werden.
Im Stationsbetrieb wurden vier wichtige Themenbereiche behandelt.
An der ersten Station standen die verschiedenen Körperschutzformen im Mittelpunkt. Die Teilnehmer erhielten einen Überblick über die unterschiedlichen Schutzanzüge und deren Einsatzmöglichkeiten – vom Schutz gegen biologische Gefahrstoffe oder kontaminierte Stäube bis hin zum Chemikalienschutzanzug (CSA). Dieser bildet die höchste Körperschutzform der Feuerwehr und schützt Einsatzkräfte vor festen, flüssigen und gasförmigen Gefahrstoffen bei chemischen Einsatzlagen.
Eine weitere Station beschäftigte sich mit der Messtechnik im Gefahrstoffeinsatz. Hier wurden unter anderem Messstrategien sowie die Möglichkeiten des CBRN-Erkunderfahrzeuges vermittelt. Gerade das richtige Vorgehen bei der Erkundung bildet eine wesentliche Grundlage für sichere Entscheidungen im Einsatz.
Besonders praxisnah wurde an der Station Leckageabdichtung gearbeitet. Hier übten die Einsatzkräfte den sicheren Umgang mit verschiedenen Abdichtsystemen, um beschädigte Behälter oder Rohrleitungen abzudichten und den Austritt gefährlicher Stoffe zu verhindern oder zumindest zu begrenzen. Mithilfe von Keilen, Dichtmatten, Spanngurten und weiteren Hilfsmitteln wurden unterschiedliche Schadenslagen simuliert. Aufgrund der hohen Temperaturen erfolgte diese Ausbildung bewusst in leichter Schutzausrüstung anstelle des ursprünglich geplanten Trainings im vollständigen Chemikalienschutzanzug – dem Lerneffekt tat dies jedoch keinen Abbruch.
Die vierte Station widmete sich der Dekontamination. Nach einem Einsatz im Gefahrenbereich müssen Einsatzkräfte ihre Schutzkleidung kontrolliert verlassen, ohne sich selbst oder andere zu kontaminieren. Hier wurden die Abläufe beim Dekontaminieren von Einsatzkräften und Ausrüstung intensiv geübt.
Ein fester Bestandteil der jährlichen Ausbildung ist außerdem der sogenannte CSA-Lauf. Ähnlich wie Atemschutzgeräteträger ihre Belastungsübungen absolvieren müssen, trainieren auch die Träger von Chemikalienschutzanzügen regelmäßig unter Einsatzbedingungen.
Trotz der hohen Temperaturen stellten sich die Teilnehmer dieser besonderen Herausforderung. Ausgerüstet mit Atemschutzgerät und Chemikalienschutzanzug absolvierten sie einen anspruchsvollen Parcours über das Gelände der Berufsfeuerwehr Cottbus. Unterschiedliche Untergründe, Balanceübungen, ein Wasserbecken zur Simulation des Auftriebs des Schutzanzuges sowie zahlreiche Treppenstufen bis hinauf auf den Übungsturm forderten den Kameradinnen und Kameraden körperlich alles ab und vermittelten zugleich wertvolle Erfahrungen für den Einsatz.
Die gemeinsame Ausbildung zeigte erneut, wie wichtig regelmäßiges Training und die enge Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Spree-Neiße und der Stadt Cottbus sind. Nur durch kontinuierliche Fortbildung können die Einsatzkräfte auch auf seltene und besonders anspruchsvolle Gefahrstofflagen professionell vorbereitet werden.
Der Kreisfeuerwehrverband Spree-Neiße bedankt sich bei allen Kameradinnen und Kameraden für ihr Engagement. Ein besonderer Dank gilt denjenigen, die sich neben ihrem regulären Feuerwehrdienst zusätzlich in Spezial- und Facheinheiten engagieren und dafür einen erheblichen Teil ihrer Freizeit investieren.
Vielen Dank für euren Einsatz – und dafür, dass ihr eure Freizeit opfert, um anderen Menschen Sicherheit und Hilfe zu geben.
Fachbereich Berichtswesen
Chris Bertko
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